Das Projekt von Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz



Beschreibung

 

Vier Masten werden im Abstand von 4,50 Metern entlang einer geraden Linie aufgestellt. Vom Empfang ausgehend führt ein Kiesweg von 10 Metern uns durch Felder bis zu den Fahnen. Neben dem Empfang findet sich ein Stand, der über den Ort informiert, im Boden befindet sich dort auch die Gedächtnisplatte von 1980. Die Fahnen sind weiß und tragen in einer roten Schrift jeweils einen der folgenden Texte:

 

AUF MUT STEHT DER TOD

 

VERRAT AM LAND WIRD DEKORIERT

 

BARBAREI IST DIE SOLDATENBRAUT

 

SOLDATEN SO NENNEN WIR UNS AUCH

 

Anläßlich jeder Benutzung des "Feliferhofs", (einem militärischen Schießplatz), werden die Fahnen erneut gehißt. Sie werden dazu einer Gruppe von Soldaten anvertraut, die sie auf jeweils einem der Masten aufziehen. Die Fahnen sollen bei jedem Abzug der Soldaten von "Feliferhof" wieder herabgelassen und in einem Lager abgelegt werden.

 

Die Fahnen weisen auf die Anwesenheit von Soldaten hin. Wenn niemand anwesend ist, sind sie also auch nicht sichtbar. Die leeren Masten werden auf dem Boden niedergelegt. Solange die Fahnen aufgerichtet sind, ist Militär anwesend.

 

Laut Entwurf des Projetes kann das Aufrichten und Ablegen der Masten ohne Schwierigkeiten erfolgen. Der Vorgang soll der Militärroutine entsprechen, welcher die verschiedenen Kompagniegruppen in ihren Übungen folgen. Die Gedenkstätte dient der Erinnerung und ist von ihr abhängig.

 

Ihre Existenz hängt von der Erinnerung und unserem Gewissen ab. Das Wechselspiel zwischen Anwesenheit und Abwesenheit (der Erinnerung und des Vergessens), bildet ein geschlossenes Ganzes. Es zeigt, unabhängig von der Erfahrung selbst, daß Verantwortung nicht delegiert werden kann, weder an ein Kunstwerk noch an etwas anderes.

 

Im ersten Jahr werden die Texte der Fahnen von Esther und Jochen Gerz vorgeschlagen. Die zukünftigen Fahnen (jedes Jahr soll es eine neue Reihe von vier Fahnen geben), werden von Soldaten entworfen. Zwischen den Soldaten wird ein jählicher Wettbewerb durch das Armee Museum in Wien ausgerufen.
Eine Jury (besetzt mit Mitgliedern der Armee, des Direktors des Museums, des Direktors der neuen Galerie Joanneum Graz sowie mit einem Künstler), entscheidet welche Fahnen verwirklicht und für die Dauer eines Jahres auf dem "Feliferhof" verwendet werden sollen. Esther und Jochen Gerz werden der ersten Jury beiwohnen.

 

Die gemeinsame Ausarbeitung des Fahnenrituels auf dem "Feliferhof" wird vor der Einweihung stattfinden und zwar im Laufe eines Seminars, an welchem die Künstler und die Vertreter der sieben Kasernen, welche die Soldaten zum "Feliferhof" entsenden, gemeinsam teilnehmen.

Die drei Orte

 

1. Der Informationsstand:
Hier wird neben den Fahnen eine Platte angebracht. Auf ihr findet sich eine Erklärung des Monumentes und die alte, abgelegte Gedächtnisplatte von 1980.

 

2. Das Museum der Armee in Wien:
Hier werden, geordnet nach dem Jahr ihrer Benutzung, inmitten von anderen Militärfahnen, die verschiedenen auf dem "Feliferhof" verwendeten Fahnenserien aufbewahrt.

 

3. Die sieben Mauern des Gedächtnisses:
Die Mauern werden errichtet in den sieben Kasernen der Steiermark, aus denen die Soldaten stammen. Auf den Mauern werden Photographien gezeigt, auf denen die verschiedenen auf dem "Feliferhof" trainierten Gruppen unter den Fahnen zu sehen sind.




Zeichnung für den Informationsstand